Brot und Spiele in der “Ewigen Stadt” Rom

Auszug aus Albrechts Südeuropa Golf Guide

Von Evelyn Gruber

Die antike Metropole und moderne Weltstadt vereint Gegensätze auf wunderbarste Weise und garantiert abwechslungsreiches Golf auf heiligem Boden.

Bekanntlich führen alle Wege nach Rom. Kein Wunder, gilt doch die Hauptstadt Italiens als Nabel der Welt und Wurzel der modernen Zivilisation. In der über 2700 Jahre alten Stadt am Tiber, in der Aneis von Vergil auch “Ewige Stadt” genannt, pulsiert das Leben. In der Altstadt ist jeder Winkel kulturhistorisch relevant. Hier befinden sich die größten Baudenkmäler der Antike mit umfangreichen Relikten aus der Epoche des Römischen Reiches. Diese reichen vom Pantheon, dem einzigen erhaltenen Kuppelbau der Antike, bis zum eindrucksvollen Kolosseum, dem größten Amphitheater der Antike, das Austragungsstätte von Gladiatorenkämpfen und anderen Schauspielen war. Auf den sieben Hügeln der Hauptstadt sind Antike und Moderne vereint, Vergangenheit und Gegenwart perfekt miteinander verbunden. Hier stehen zahlreiche Tempel antiker Gottheiten und mittendrin, im Vatikan mit dem Petersdom, wird zum Christengott der Gegenwart gebetet. Die älteste Stadt der Welt ist zeitgleich auch eine pulsierende, spannende Metropole. Shopping-Fanatiker werden sich hier wohl fühlen. Gucci, Prada, Versace – all diese Namen verbindet man augenblicklich mit Rom. Schlendert man die edle Piazza di Spagna entlang, entdeckt man diese auch sofort. In den Geschäften auf der Via del Corso werden Besucher mit kleinerem Geldbeutel ihre Freude haben. Latium präsentiert sich mit 25 Golfanlagen – primär um Rom zentriert – auch als Hochburg des Golfsports, der speziell in dieser Region als besonders prestigeträchtig betrachtet und von der lokalen Politik und Society gefrönt wird.

 

 

Höhere Golfweihen auf heiligem Gelände

Rom wurde nicht an einem Tag erbaut, heißt es. Mit dem Bau des ersten Golfplatzes haben die Römer sogar bis ins 20. Jahrhundert gewartet. Im Jahre 1903 entstanden die 18 Löcher des Circolo-del-Golf-di-Roma, der nicht nur ganz in der Nähe der Via Appia, einer der ältesten Straßen Italiens, liegt, sondern mitten drin im antiken Rom. Und da in Rom fast jede Stufe, jeder Stein irgendwie heilig oder historisch ist, befinden sich selbst die Spielbahnen des ältesten Golfclubs Italiens auf heiligem Gelände: Acqua santa “Heiliges Wasser”, so heißt der Teil Roms, auf dem im Circolo-de-Golf-di-Roma Golf gespielt wird (woher auch der Name Golf Club Roma Acquasanta – Weihwasserclub – kommt). Der Name geht auf die zahlreichen alten Heilquellen zurück, die noch heute als Wasserhindernisse überall auf dem Platz zu finden sind. Inmitten von Relikten der Historie, Grabmälern, Aquädukten und Tempelteilen sucht sich der Golfer seinen Weg auf den gepflegten, von Pinien und Zypressen gesäumten Fairways in der Hoffnung, die höheren Weihen des Golfspiels zu empfangen.

 

Golf mit dem Segen der Päpste

Direkt am Albaner See, wo in Castelgandolfo gewöhnlich der Papst seinen Urlaub verbringt, gelang es Stardesigner Robert Trent Jones mit viel Einfallsreichtum, technischer Raffinesse und Know-how, die 18 Spielbahnen des Country Club Castelgandolfo in einem ehemaligen fruchtbaren Vulkankrater perfekt in die faszinierende Landschaft zu integrieren. Alte Eichen, knorrige Olivenbäume und Pinien spenden auf dieser Golfanlage Schatten, 96 Bunker, drei kleine Seen und andere zahlreiche Hindernisse sorgen dafür, dass der Parcours interessant und abwechslungsreich ist und auch für erfahrene Spieler immer wieder Überraschungen bereit hält. Darren Clarke, Retief Goosen, Costantino Rocca, Sam Torrance & Co sind nur einige der Weltklassespieler, die in verschiedenen European-Tour-Events auf diesem 6222 m langen Platz bereits ihr Können unter Beweis stellten. Vom traumhaften Clubhaus aus, das in einem stilvollen Gebäude aus dem 17. Jahrhundert, in dem einst Kardinäle residierten, untergebracht ist, genießt man einen einmaligen Blick über die wundervolle Anlage. Ein exquisites Dinner im Gewölbe des fünf Minuten vom Platz entfernten Antico Ristorante Pagnanelli bildet den krönenden Abschluss eines wunderschönen Tages.

Verlässt man Rom in Richtung Südwesten, stößt man auf die direkt an der Autostrada liegenden 27 Löcher des Golfclubs Parco de’ Medici; ein Name, der in Verbindung mit dem Vatikan ebenfalls ganz besondere Bedeutung hat. Immerhin stellte die Familie Medici aus Florenz einige der vielen Päpste in Rom. Dort also, wo einst Papst Leo X. seine privaten Jagdgründe hatte, liegt heute ein technisch anspruchsvoller, leicht kupierter Championship-Platz. Sechs von Möwen und Reihern bevölkerte Seen, die immer wieder ins Spiel kommen, sowie die vom Meer wehende Brise erfordern Konzentration und Strategie.

 

Wentworth unter italienischer Sonne

Olgiata Golf Club nennt sich die im Nordwesten der Stadt – im Agro Romano – beheimatete, prestigeträchtige 27-Loch-Anlage, Austragungsort der Italian Open 2002 sowie der Team-Weltmeisterschaften 1968 und 1984. Der weltweit anerkannte Designer Cotton zeichnete 1962 mit dem West-Course einen genialen, 6347 m langen Parcours, der durch Baumalleen führt und mit zahlreichen Raffinessen punktet. Jedes Grün wird durch gut platzierte Bunker verteidigt, unpräzise Schläge werden meist bestraft. Doch selbst Longhitter sind gefordert, wie zum Beispiel am dritten Loch, einem Par 4, auf dem 425 Meter – und dies häufig bei Gegenwind – bezwungen werden müssen. Der Ost-Kurs, ein 9-Loch-Par-36-Parcours, komplementiert die hervorragende Anlage, die nicht nur wegen der Platzbezeichnungen an das berühmte Wentworth in England erinnert.

 

Fazios Eichenplatz

Gemeinsam mit seinem Onkel George konzipierte Stararchitekt Jim Fazio den ausgezeichneten Championship-Platz Le Querce Golf Course, der aufgrund der zahlreichen alten Eichen am Platz diesen Namen trägt. Wunderschön schmiegt sich der Parcours in die ländliche Landschaft und erinnert ob der von unzähligen Wildblumen gesäumten Fairways zeitweise auch an die großartigen Heidenplätze Großbritanniens. Golf Club le Querce zählt zu den Top-5-Golfplätzen Italiens und gilt auch als einer der schwierigsten des Landes. Im Jahr 1991, bereits ein Jahr nach Eröffnung, war Le Querce Austragungsort des World Cups of Golf, den die Schweden Johannson und Forsbrand  – Letzterer ist heute Trainer des österreichischen Golf-Nationalteams – gewannen. Le Querce Golf Course bietet alles, was man sich von einem fantastischen Inlandplatz erwartet.

 

Golf mit Blick auf den Petersdom

Auch der renommierte Golfplatz-Designer P. B. Dye hat sich zwischen den römischen Hügeln, zehn Minuten von der Ewigen Stadt entfernt, mit dem Parco di Roma Golfclub ein Denkmal gesetzt. Die für Dye so typischen Bunker charakterisieren den dramatisch angelegten Platz in unglaublicher Szenerie, auf dem man an manchen Stellen sogar die Kuppe des Petersdoms erkennen kann. Obgleich nur wenige Kilometer vom Kapitol entfernt, genießt man nebst eines großartigen Platzes auch die Ruhe fernab des Großstadtlärms. Am ambitionierten Masterplan sind der Bau weiterer 36-Loch vorgesehen.

Im Nordosten, nur 17 Kilometer von Rom entfernt, befindet sich die eindrucksvolle und komplexe 27-Loch-Anlage des Golfclub Marco Simone. Das für Latium typisch leicht hügelige Gelände ist charakteristisch für den Platz, ein altes Schloss und verspielte Bächlein vervollständigen das idyllische Bild. Der 18-Loch-(Par 72)- Championship-Platz  ist schwierig zu spielen. Schon das erste Loch, ein 500 m langes, spektakuläres Par 5, das großteils entlang eines Sees führt, fordert höchste Konzentration. Nicht minder anspruchsvoll präsentiert sich das Signauture-Loch 5, ein relativ kurzes Par 3, dessen Grün allerdings fast zur Gänze von Wasser und Bunkern verteidigt wird. Doch das fantastische Panorama auf die Stadt Rom und auf die Kuppel des Petersdoms belohnen für das schwierige Spiel. Im stilvollen Clubhaus in historischem Gebäude, das von Mode-Designerin Laura Biagiotti eingerichtet wurde, kann man nach der Runde herrlich entspannen.G

Einige der besten Golfplatz-Designer der Welt haben in Latium ihre Handschrift hinterlassen und traumhafte Anlagen verwöhnen in der Stadt am Tiber den Golfgourmet. Doch auch die römische Küche steht der Qualität der Golfplätze um nichts nach.

 

Spaghetti alla Carbonara oder doch lieber Rinderschwänze?

Das kulinarische Angebot in Rom ist abwechslungsreich und reicht von der typisch römischen bis zur internationalen Küche mit Haubenniveau. Zu den typischen Gerichten zählen das köstliche “Abbacchio alla scottadito” (Milchlammkotelett), sowie die für uns etwas fremd klingenden, wahren Spezialitäten “Coda alla vaccinara” (Schwänze junger Rinder in Wein) und “Trippa alla romana” (Kutteln in Tomaten-Minzsoße). Probieren sollten Sie unbedingt Artischocken “alla Romana” mit Knoblauch und Minze im Ofen gedünstet oder frittiert “alla Giudea”. Auch zwei der berühmtesten Nudelgerichte kommen aus Rom, die “Bucatini all’amatriciana”, dickere Spaghetti mit Loch, zubereitet mit Bauchspeck in Tomatensoße, und die “Spaghetti alla carbonara”. Die traditionellen Restaurants der Stadt mit den wahren römischen Spezialitäten befinden sich überwiegend in Testaccio rund um den früheren Schlachthof, gemütliche Kneipen sind jedoch überall leicht zu finden.

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